Sie schwinden vor unseren Augen
Das Verschwinden der Arten, auch Artensterben genannt, ist nicht etwas, das sich weit entfernt auf anderen Kontinenten abspielt. Es geschieht direkt vor unseren Augen, in unserer eigenen Gemeinde, in unserer Gemarkung. Als Beispiele sollen hier drei Tiere stehen, die uns wahrscheinlich allen bekannt sind: Das Eichhörnchen, die Goldammer und der Feldsperling. Noch vor wenigen Jahren waren sie Allerweltstiere, die im eigenen Garten und auf den Feldern vor unserer Haustür lebten. In den Jahren 2012 und 2013 tobten manchmal fast täglich ein oder sogar mehrere Eichhörnchen durch meinen Garten. Sie holten sich Nüsse vom Walnussbaum, liefen über den Rasen und verbuddelten die Walnüsse als Wintervorrat in den Beeten. Herzerfrischend und niedlich anzuschauen. Seit November 2023 hat sich hier kein Eichhörnchen mehr blicken lassen und auch in den Jahren davor waren sie schon regelrechte Seltenheiten. Woran liegt das? Nahrungsmangel kann es nicht sein, denn Walnussbaum und Haselnussstrauch stehen nach wie vor an Ort und Stelle und sie tragen auch Früchte. Sind es Prädatoren wie Waschbären? Ist es der Klimawandel? Oder welche Gründe könnte es sonst noch geben. Für die ebenfalls entschwindenden Gartenschläfer hat es eine gründliche wissenschaftliche Untersuchung gegeben, an der auch die Universität Gießen beteiligt war. Hier hat sich letztlich als Ursache herausgestellt, dass der andauernde Einsatz von Pestiziden und Insektiziden in Landwirtschaft und Privatgärten zur langsamen Vergiftung der kleinen Bilche geführt hat. Könnte dies auch die Ursache für das Verschwinden der Eichhörnchen sein?
Ebenfalls aus unserer Gemarkung verschwunden sind die Feldsperlinge. Früher konnten wir sie im Winter täglich am Futterhaus erleben, die letzten wurden im Januar 2022 beobachtet. Sie haben gern auch in Brutkästen ihren Nachwuchs ausgebrütet, die von der NVSG Geiss-Nidda ausgebracht und betreut wurden. Zum letzten Mal wurden sie dabei im Jahr 2019 beobachtet. Früher ein Allerweltsvogel in unserer Gemarkung, jetzt eine Rarität oder ganz verschwunden. Woran liegt das? Nicht genügend Insekten während der Brutzeit und zur Aufzucht der Jungen dank Einsatz von Insektengift? Zu viele Katzen im Ort, die Jagd auf Vögel machen? Was können die Gründe sein?
Als letztes Beispiel sei die wunderschöne Goldammer genannt, die uns im Frühsommer immer mit ihrem Gesang erfreute. Auch sie war früher sehr häufig, hat gern in Hecken gebrütet und dort Insekten gejagt. Heute ist sie selten noch anzutreffen, in diesem Winter wurde sie bis jetzt noch gar nicht gesehen, obwohl sie früher auch gern mal ans Futterhaus kam. Auch sie ein Opfer der überaus zahlreichen Hauskatzen, die als Freigänger in den Gärten jagen? Oder findet auch sie nicht mehr genügend Insekten als Futter für ihre Jungen?
Diese Entwicklung ist erschreckend und erfolgt in beängstigender Geschwindigkeit und wir alle sollten versuchen, dieser Tendenz Einhalt zu gebieten. Niemand soll sagen, ich kann ja nichts ändern.
