Das Rebhuhn – Vogel des Jahres 2026
In der Gemarkung Geiss-Nidda habe ich in den Jahren 2014 und 2015 zum letzten Mal Rebhühner gesehen, allerdings auch nur ein bis zwei. Seitdem nichts mehr. Das ist kein Wunder und keine Ausnahme. War das Rebhuhn früher in Deutschlands ländlichen Regionen ein häufig anzutreffender Vogel, so ist seit 1970 ein starker Rückgang der Populationen festzustellen. Zwischen 1980 und 2016 sank der Bestand um 94%. Für diesen immensen Schwund sind mehrere Faktoren verantwortlich, vor allem aber die Umwandlung intakter Lebensräume mittels Flurbereinigung und Einsatz von Großmaschinen auf den landwirtschaftlichen Flächen. Rebhühner sind als Bodenbrüter auf lebensfreundlich bewirtschaftete Ackerflächen und Grünland angewiesen. Als Schutz und Deckung benötigen sie Heckenstreifen und Gesträuch. Am liebsten brüten sie an Wegrändern und Ackerrainen sowie an Grabenrändern, sofern diese mit Kräutern und Gräsern bewachsen sind. Falls noch in der Landschaft vorhanden, ertönt der Revierruf der männlichen Rebhühner im Spätwinter und im Frühling. Sie sind vor allem in der Morgen – und Abenddämmerung zu hören. Jetzt werben die Hähne um Weibchen und grenzen ihre Brutreviere gegen Konkurrenten ab. Nach erfolgreicher Verpaarung wählen die Weibchen einen geeigneten Platz für das Bodennest. Von April bis Juni erfolgt die Eiablage; das Gelege umfasst 10 bis 20 Eier, die in dreieinhalb Wochen ausgebrütet werden. Während sich die erwachsenen Vögel hauptsächlich von Sämereien und Getreidekörnern ernähren, benötigen die Weibchen zur Zeit der Eiablage und die Jungen während der ersten zwei Lebenswochen auch tierische Nahrung. Sie fressen Spinnen, Ameisen und Larven von verschiedenen Insekten. Hier liegt die nächste Ursache für den eklatanten Bestandsrückgang: Die Jungen finden buchstäblich nichts zu fressen wegen dem großflächigen Pestizideinsatz in der Landwirtschaft. Sie verhungern schlichtweg. Sollten sie trotz aller Widrigkeiten diese Zeit überstehen, kommen jetzt eine Menge Prädatoren ins Spiel. Hier sind Rotfuchs, Kolkrabe, Rabenkrähe, Sperber und Habicht zu nennen aber auch wildernde Hauskatzen, Waschbären und Marderhunde.
In der Nähe unserer Gemarkung in den Gebieten um Teufelsee und Pfaffensee, auf den Flächen zwischen Reichelsheim, Melbach und Wölfersheim gibt es seit einigen Jahren ein recht erfolgreiches Schutzprojekt, durchgeführt von den dortigen Jägern, Landwirten und Naturschutzorganisationen. Es wurden Schutzstreifen angelegt und zusätzliche Fütterungsstellen eingerichtet. Die Bestände dort haben sich einigermaßen stabilisiert und dort habe ich vor wenigen Tagen zum ersten Mal seit mehreren Jahren wieder Rebhühner gesichtet. Man darf also die Hoffnung noch nicht aufgeben. Deshalb ein Appell an alle: Keine freilaufenden Hunde in der Setz- und Brutzeit, keine wildernden Hauskatzen in der Gemarkung. Sollte jemand nach 2015 noch Beobachtungen des Rebhuhnes in der Gemarkung Geiss-Nidda gemacht haben, bitte ich um kurze Information.
