Weißstorch – Vogel des Monats August
Der Weißstorch war im Jahr 1980 in der Wetterau ausgestorben. Die Trockenlegung der Auen und Feuchtwiesen, der Einsatz hochgiftiger Substanzen in der landwirtschaftlichen Produktion und ungesicherte Stromleitungen hatten ihnen das Leben hier unmöglich gemacht. Doch einige Jahre nachdem sie aus unserer Landschaft verschwunden waren, setzte ein Umdenken bei vielen Menschen ein. Viele Feuchtgebiete wurden neu angelegt und renaturiert. Einige der hochgiftigen Substanzen wurden verboten und Stromleitungen wurden gesichert. Zudem wurden von Vogelschützern mit Unterstützung der OVAG Nisthilfen für die Weißstörche in geeigneten Gebieten installiert.
1993 geschah ein kleines Wunder. Das erste Weißstorchenpaar bezog im Bingenheimer Ried eine vorbereitete Nisthilfe und zog ein Junges groß. Seitdem hat sich der Bestand an Weißstörchen mehr als erholt. Mittlerweile gibt es mehr Paare mit Nachwuchs als zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Auch in Geiss-Nidda gibt es seit zwei Jahren ein Paar, das erfolgreich brütet und zwar an den Rohrwiesen-Teichen. Wie in ihren natürlichen Brutarealen üblich, hat das Paar sein Nest auf einer abgestorbenen hohen Pappel erbaut. Von dort haben sie einen guten Überblick, der Standort ist sicher vor Nesträubern und die Feuchtgebiete der Nidda zur Nahrungssuche liegen in unmittelbarer Nähe. In diesem Jahr konnte das Elternpaar drei Junge groß ziehen, die alle flügge wurden. Die ersten Flugübungen fanden Ende Juli statt. Nun sind die Jungstörche kräftig und trainiert genug, dass sie den großen Zug Richtung Südwest antreten können. Durch den Klimawandel hat sich die Zuglänge deutlich verkürzt. Während sie früher nach Nordafrika und teilweise auch weiter bis Südafrika gezogen sind, reicht heute sehr vielen der Flug bis in den Süden Spaniens und nach Portugal. Dort landen sie im frühen Herbst in den Korkeichenwäldern, wo sie genügend Futter finden. Durch diese Verkürzung der Zugroute ist sie auch nicht mehr so gefährlich wie früher und eine größere Anzahl der Jungstörche kann überleben, um zwei bis drei Jahre später in die Brutgebiete in Mittel- und Nordeuropa zurückzukehren.
Jetzt jedoch heißt es erst einmal Abschied nehmen. Viele der Altvögel bleiben inzwischen auch im Winter hier in der Wetterau. Sie finden in den wärmeren Wintern noch genug zum Fressen. Wenn es dann einmal ganz hart kommt, reicht ihnen ein kurzer Flug bis in die milde Rheinebene. Aber die Jungen müssen den Vogelzug antreten. Auch das gehört zum Erwachsenwerden der Weißstörche hinzu. Wie schön, dass der Weißstorch in die Wetterau zurückgekehrt ist und heute wieder ein vertrauter Anblick in unserer Landschaft ist.
