Misteln – Gefahr für die Obstbäume
Misteln sehen schön aus, können aber bei großem Befall zur existentiellen Bedrohung für Obstbäume werden. Früher eher eine Seltenheit in Deutschland, haben sie sich in den letzten Jahren sichtlich ausgebreitet. Insbesondere Apfelbäume werden zunehmend befallen. Das hat im Wesentlichen mit zwei Gründen zu tun. Zum einen ist es der Klimawandel mit seinen höheren Temperaturen, zum anderen die nachlassende Pflege der Obstbäume, insbesondere in den Streuobstwiesen. Während früher bei regelmäßigem Schnitt und weiteren Pflegemaßnahmen auch Misteln entfernt wurden, bleiben sie nun auf den Ästen und können sich weiter vermehren. Misteln, botanisch Viscum album, sind Parasiten. Sie dringen mit ihren Wurzeln in die Leitungsbahnen der Bäume ein und zapfen diesen einen Teil der Lebenssäfte ab. Solange der Baum stark und gesund ist und die Misteln nicht überhand nehmen, können die Bäume dies verkraften. Aber irgendwann nehmen die Misteln Überhand, der Kipppunkt wird erreicht, der Baum stirbt ab. Wichtig zu wissen ist, dass Misteln nicht unter Naturschutz stehen. Sie können und sollten ganzjährig aus den befallenen Bäumen entfernt werden. Geschieht dieses nicht, können sie sich ungehindert verbreiten. Ihre Helfer dabei sind Vögel, insbesondere die Misteldrossel, die ja sogar ihren Namen von der Pflanze herleitet. Dieses Drossel kommt im Frühjahr aus südlichen Ländern zurück und ernährt sich bevorzugt von den weißen Früchten der Mistel. Deren klebriger Saft bleibt nach dem Fressen am Schnabel des Vogels haften. Wenn dieser sich dann hiervon befreit, streift er die klebrige Masse mitsamt den Samen an einem Ast ab. Hier kann dann der Samen keimen und seine kleinen Wurzeln in einen Rindenspalt versenken.
Je früher man eine junge Mistel entdeckt, umso besser kann man sie mit einem Forstner-Bohrer entfernen. Sollten die Misteln an einem dünnen Ast aufsitzen, sollte man den kompletten Ast, zumindest aber 50cm entfernt von der befallenen Stelle absägen. An den Hauptästen ist ein so radikaler Schnitt nicht angesagt, denn er würde den Baum zu sehr schwächen. Hier ist es notwendig, die jungen Misteln so früh wie möglich auszubrechen oder abzuschneiden. Die Mistel wird wieder nachwachsen aber wenn man den Vorgang immer wiederholt verhindert man die Blüte und das Fruchten der Mistel. So kann der Wachstumszyklus unterbrochen und die weitere Ausbreitung der Mistel verhindert werden.
Auch wenn die Misteln das ganze Jahr über entfernt werden können und sollen, ist jetzt ein sehr guter Zeitpunkt für die Pflege der Obstbäume, denn der Winterschnitt kann noch bis Ende Februar gut durchgeführt werden. Wenn diese Arbeit ansteht und erledigt wird, dann gilt es auch ein Augenmerk auf Mistelbefall zu richten und diese gleich mit zu entfernen. Obstbäume und Streuobstwiesen danken es mit einem längeren Leben und einer reicheren Ernte.
