Jugendherberge nutzt Landesgartenschau

Verein Oberhessen unterstützt neue Terrasse für Wanderer – 160 Betten

Im Garten der Jugendherberge Büdingen herrscht rege Betriebsamkeit. Einige Erwachsene entfernen Brombeersträucher, andere werkeln an Hochbeeten. Kinder laufen den Trampelpfad in Richtung des gelben Eiswagens und der Hühnerställe entlang, Dogge Resi watschelt gemächlich zwischen den Besuchern umher. Es staubt.

Die Veränderungen, insbesondere auf der Terrasse vor der Kantine, sind deutlich sichtbar: Wo zuvor Waschbetonplatten lagen, verteilen sich nun sieben Tonnen Hackschnitzel. Der Metallzaun ist an der Seite geöffnet. Eine der acht neuen Bänke steht schon bereit. Am Zaun hängt das Banner der Landesgartenschau. „Die ganze Aktion ging schneller als gedacht“, sagt Herbergsleiter Michael Klinge, der die Jugendherberge am Pfaffenwald 2018 übernommen hat.

Der Landesverband hatte zu einem Workcamp aufgerufen, und 17 Ehrenamtliche aus ganz Hessen, die sich zuvor nicht kannten, packten gemeinsam mit vier Mitarbeitenden des Hauses an. „Ich bin begeistert von dieser Manpower“, sagt Klinge. Die Terrasse ist fast fertig. Die Veränderungen haben einen besonderen Grund.

Ein Käffchen für Wanderer und Gäste

Die Arbeiten sind Teil der Vorbereitungen auf die Landesgartenschau Oberhessen 2027. Für die Jugendherberge könnte das Großereignis einen wichtigen Schub geben. Die Lage des 1964 eröffneten Hauses ist nahezu ideal: Die schmucke Büdinger Altstadt liegt dem Betrachter quasi zu Füßen, bis zum neuen Stadtpark, dem grünen Herzen Büdingens, sind es nur wenige Minuten. Direkt nebenan verläuft der interkommunale Wanderweg OberhessenSteig. Ein Waldweg führt von der Jugendherberge zum Wildpark an der Leo-Hütte oder zur ApfelArche, einer zur Landesgartenschau angelegten Streuobstwiese zum Erhalt alter oberhessischer Apfelsorten. Ideal für ein paar Tage Erholung. „Urlaub darf kein Luxus sein“ lautet ein Motto des Deutschen Jugendherbergswerks.

Das neue Angebot der Jugendherberge: Wanderer und Spaziergänger können während der Landesgartenschau an den Wochenenden auf der neuen Terrasse einkehren – mit Kaffee, Kuchen und Blick ins Grüne. Der Verein Oberhessen unterstützt das Vorhaben mit 1500 Euro. Das Banner zur Landesgartenschau hängt bereits gut sichtbar am Haus.

Adrian Gabriel, Bereichsleitung Gemeinwohlvereinsförderung des Deutschen Jugendherbergswerks, Landesverband Hessen, nennt ein paar Zahlen: Die 28 hessischen Herbergen verzeichnen jährlich rund 600.000 Übernachtungen. Rein rechnerisch verweilen die Gäste durchschnittlich 2,3 Tage. Fast die Hälfte der Besucher sind Schulklassen, gleichzeitig steigt die Zahl der Familien und Tagungsteilnehmer kontinuierlich. Das klassische Bild einfacher Gruppenunterkünfte hat sich längst verändert. „Die Jugendherbergen gehen neue Wege und öffnen sich“, berichtet Gabriel. Die Landesgartenschau könne dabei helfen, die moderne Ausrichtung bekannter zu machen und neue Gästegruppen anzusprechen. Das Haus in Büdingen verfügt über 160 Betten. Für Herbert Weber, Vorstandsmitglied im Verein Oberhessen, ist klar: „Wir brauchen diese Übernachtungsmöglichkeiten.“ Beeindruckt ist er von dem Wandel, den das Haus vollzogen hat. Was es bietet, sei vielen Einheimischen allerdings nicht bekannt.

Herberge mit besonderem Charakter

Die Jugendherberge begrüßt neue Kooperationen und setzt bewusst auf Nachhaltigkeit und Naturerlebnisse. Das Haus am Pfaffenwald ist als Natur- und Umweltjugendherberge zertifiziert und bietet auf seinem rund 10.000 Quadratmeter großen Gelände viel Platz für Umweltbildung und Freizeit. Hühner und Schafe gehören ebenso zum Konzept wie die vegetarische Verpflegung. Schulklassen und Familien nehmen an Wald- und Tierpädagogik teil, lernen Feuer machen ohne moderne Hilfsmittel oder bauen Insektenhotels. Auch Themen wie Klimaschutz, Upcycling und nachhaltige Ernährung stehen auf dem Programm.

Auch Elfriede Pfannkuche, Geschäftsführerin des Vereins Oberhessen, ist von dem Konzept begeistert. „Nachhaltigkeit steht hier wirklich im Vordergrund“, sagt sie. Das zeige sich nicht nur in den Projekten, sondern auch im Alltag der Herberge – bis hin zu den Hühnern auf dem Gelände. „Michael Klinge ist mit Herzblut dabei.“ Und er nutzt den Motor der Landesgartenschau Oberhessen, um noch sichtbarer zu werden.

Zwischenzeitlich hat es geregnet. Der Staub ist weg.

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Autor: lgsoberhessen

Oberhessen feiert vom 22. April bis 3. Oktober 2027 einen außergewöhnlichen Sommer mit über 1500 Veranstaltungen. Elf Kommunen laden mit der Landesgartenschau dazu ein, eine außergewöhnliche Region kennenzulernen. Ob Vulkan oder Wasser, Geschichte oder Natur, Herz und Heimat. Oberhessen ist eine echte Entdeckerregion. Weite Auen, dichte Wälder und Spuren vulkanischer Vergangenheit prägen die Landschaft. Dazu kommt eine Geschichte, die von Kelten, Römern und dem Mittelalter erzählt. All das formt eine Landschaft, die reich an Schätzen und authentisch ist. So entsteht das unverwechselbare Bild Oberhessens. Eine starke Bühne für die interkommunale Landesgartenschau.